mal was anderes - verschiedene Keyboardlayouts

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Datum: 13. 04. 2022 um 04:38:41

Schlagworte: Layout ADNW mechanische Tastaturen

Kategorie: Tastaturen

erstellt von Stephan Bösebeck

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mal was anderes - verschiedene Keyboardlayouts

Inhalt:


Es gibt noch mehr als QWERTZ

Wenn man sich mal mit dem Thema Ergonomie und Tastaturen beschäftigt, kommt man um die Tastaturlayouts nicht drumrum. Irgendwann kommt man darauf, dass es auch noch was anderes gibt, als QWERTZ oder QWERTY (und die verschiednen Derivate davon).

Diese Layouts sind schon ein wenig in die Jahre gekommen und haben eine recht interessante Entstehungsgeschichte. Ein paar Gedanken dazu möchte ich hier mal zum Besten geben. 😉 Die Geschichte dazu ist erstaunlich spannend und zeigt ein Mal mehr, wie sich dinge entwickeln. Und das nicht unbedingt zum Optimum!

(ein wenig) Geschichte der Keyboard-Layouts

Das soll hier keineswegs eine vollständige Aufzählung sein. Es soll einen kurzen Einblick in die doch recht interessante Geschichte hinter den Dingen geben. Überhaupt waren die Tastaturlayouts anfangs keineswegs standardisiert, die Hersteller verschiedener Geräte nutzten verschiedene Layouts, die für die Mechanik ihres Produktes ausgelegt waren. D.h. wenn man auf einer Maschine tippen konnte, ging das nicht auf einer anderen!

Eine beindruckende Sammlung historischer Schreibmaschinen kann man hier bewundern.

Wie alles begann

die ersten mechanischen Tastaturen hatten (entgegen der allgemeinen Meinung) zunächst kein QWERTY Layout sondern ein Alphabetisches, was angenähert in etwa so ausgesehen hat:

 3579NOPORSTUVWXYZ
2468. ABCDEFGHIJKLM

Das stellte sich aber als sehr fehleranfällig vor, da bei schnellem Tippen sich die Tasten ständig verhakt hatten und man manuell diesen "Haken" lösen musste.

Das war überhaupt das größte Problem bei den mechanischen Tipp-Maschinen: sehr häufig aufeinander folgende Anschläge (wie z.B. ei im Deutschen) dürfen nicht nahe beieinander sein. Das ist per se erst mal nicht schlecht. Das Layout hatte halt damals halt ein anderes Ziel.

Nach mehreren "Optimierungen" des Layout, kam zu guter Letzt dann doch das jetzt seit mehr als 100 Jahren benutzte QWERTZ bzw. QWERTY raus.

Das Layout sollten eigentlich alle kennen. Aber es gibt schon seit langem Bestrebungen, das Layout zu optimieren.

Nachteile

Was sind denn die Nachteile1 von Qwerz und Co? Nun, das Layout hatte ja zum Ziel, das verklemmen der Anschlagshebel zu verhindern und hat somit alls häufig aufeinanderfolgenden Anschläge möglichst weit auseinander gepackt. Das bemerkt man beim e und dem i z.B.

Buchstaben die relativ selten aufeinander gefolgt sind, hat man zusammen ablegen können, wie z.B. m und n.

Ein ergonomisches Layout hätte allerdings die häufigsten Anschläge eher auf der sog. Home-Row (also der mittleren Zeile auf der Tastatur, wo die Finger in Ruheposition aufliegen) positioniert. Das ist beim QWERTY-Layout gelinde gesagt sub-optimal (einfach mal darauf achten, wo man seine Finger hinbewegen muss beim Tippen) und verursacht viele und weite Fingerbewegungen.

Das kann gerade bei Vieltippern zu Problemen wie z.B. RSI2 führen. Theoretisch kann man das aber durch anpassen des Layouts minimieren.

DVORAK

Das war schon 1932 auch Prof. August Dvorak (und seinem Schwager William Dealeyund) klar und er ließ sich sein nach ihm benanntes Layout 1936 sogar patentieren3:

4

Ziel war es, durch Optimierung des Layouts schneller und effizienter Tippen zu können. Außerdem sollte man das Layout leicht erlernen können. Dazu haben sich Dvorak und seine Mitarbeiter die Buchstabenhäufigkeit angesehen und auch die Physiologie der Hände mit in Betracht gezogen.5.

Scheinbar war das objektiv gemessen nicht von besonderem Erfolg gekrönt, in den 50er Jahren wurden wohl Untersuchungen gemacht, die kaum einen Geschwindigkeitsvorteil bei DVORAK sehen. Allerdings erfreut sich DVORAK bis heute einiger Beliebtheit und wird immer noch verwendet.

NEO und NEO2

NEO entstand schon 2004 und ist aus dem Gedanken entstanden, neue Erkenntnisse über Ergonomie in das Layout einfließen zu lassen. Auch die Erfahrungen, die andere gemacht haben, wollte man mit aufnehmen6.

Im Jahr 2010 wurde NEO dann zu NEO2 weiter entwickelt. Beide Layouts sind auch recht populär und werden von vielen genutzt, vor allem da es auch weit verbreitete Unterstützung gibt.

Ob und in wie fern man mit NEO schneller tippen kann oder nicht ist immer noch ein Streitpunkt. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu fehlen leider immer noch.

Aus der Neo-Welt (ADNW)

Die Geschichte der Entstehung ist sehr schön auf der ADNW-Seite zu lesen und ist sehr interessant. Hier wurde versucht, mit Hilfe von Statistischen Analysen und "Gewichtungen" ein optimales Tastaturlayout auszurechnen. Das ist super spannend und man bekommt ein Gefühl dafür, was alles mit QWERTZ nicht stimmt.

Ich persönlich, empfinde das ADNW-XOY-Layout7 als am besten und ist auch das, was ich neben QWERTZ verwende (manchmal - bin noch nicht gut genug, um das dauerhaft einzusetzen).

Das Bild zeigt, das Layout angepasst an meine Keyboardio Model01 Tastatur.

Umstieg

Der Umstieg auf ein neues Layout ist schwer, sehr schwer! Und kostet Zeit, viel Zeit!

Ich tippe mit QWERTZ in etwa 450-480 Anschläge / Minute (auf Deutsch, bei englischen Texten liegt es eher so bei 380-400 Anschlägen/Minute). Mit XOY sind es aktuell in etwa 80-100 (deutsch, englisch in etwa 50)! Das ist super frustrierend und nervenaufreibend. Ich versuche mich an dem Umstieg schon mindestens ein Jahr. Leider schaffe ich es nicht, dauerhaft auf XOY umzusteigen. Ich muss immer wieder auf QWERTZ wechseln, da die Dinge sonst unnötig lang brauchen.

Man muss die geübten Tastenkombinationen alle neu lernen, das ist schwierig und erfordert viel Übung. Am besten wäre es, man würde das Layout einfach nutzen und dann dauert es halt am Anfang recht lang.

Leider habe ich das bisher so nicht hin bekommen, da fehlt mir (und auch meinen Arbeitskollegen) die Geduld.

Wie umsteigen

Das ist erstaunlich kompliziert, ehrlich gesagt. Ich habe zum Glück schon bevor ich mich mit dem Thema Tastaturlayout auseinandergesetzt habe, eine programmierbare Tastatur gehabt. Damit war ich fein raus, ich konnte das hardwareseitig lösen.

Das ist zugegeben auch die beste Lösung dafür. Man wird sonst echt wahnsinnig. Die Lösung in Software ist möglich, wenn auch kompliziert. Abhängig vom Layout geht es recht einfach, denn für NEO / NEO2, DVORAK oder WORKMAN gibt es Unterstützung für alle Betriebssysteme in der ein oder anderen Form. Linux, Windows und Mac OS. Bei ADNW und den Derivaten davon ists komplizierter, da wird man sich selbst helfen müssen mit Tools wie Ukulele für den Mac (ein Tastaturlayout-Editor). Ähnliches gibt es auch für Linux, aber meistens nur für die Grafische Oberfläche. Im Textmodus wird's schwieriger, geht aber auch.

Ganz ehrlich - will man Umsteigen, sollte man sich eine Tastatur zulegen und das Layout entsprechend umstellen. Das geht zu 100% immer!

Tipps für den Umstieg

Naja... da redet der Blinde über Farben, aber zumindest theoretisch kann ich was dazu sagen, denn so richtig umgestiegen bin ich ja auch noch nicht.

  • am besten ist es wohl, wenn man seine Tastatur / sein OS einfach umstellt und dann versucht mit dem neuen Layout zu leben
  • Es ist erstaunlich anstrengend, wenn man plötzlich so langsam tippt. Da hilft nur durchhalten.
  • Evtl. ist das Layout auch nicht das richtige, evtl. mal ein anderes ausprobieren.
  • Achtung, auch die Tastenkürzel sind jetzt andern belegt. D.h. CMD-Z ist woanders - da muss man die eingeübten "Affengriffe" alle neu lernen!
  • Seiten, mit Tippspielen wie 10fastfingers oder typeracer helfen ungemein
  • Falls man, so wie ich, zwischen den Layouts hin und herwechselt muss man sich bewusst sein, dass der Umstieg deutlich langer dauert!

Das wichtigste ist und bleibt aber, dran zu bleiben und sein Wunschlayout täglich zu benutzen. Zum Beispiel beim schreiben von Blog-Posts für das eigene Blog 😉

Quellen