Drohnen und so.

veröffentlicht am : Sa, 08. 10. 2016 geändert am: Di, 16. 05. 2017

Kategorie: Allgemeines

Schlagworte: drohne fpv


Ich habe hier noch nicht drüber geschrieben, aber ich fliege gerne und oft mal mit meinen Drohnen durch die Gegend. So haben sich im Laufe der Zeit doch einige angesammelt:

  • meine erste Drohne (so schreibt man das übrigens auf Deutsch – Drone ist englisch emoji people:smirk) war eine Parrot AR-Drone 1.0. War ganz witzig, nur die Neigung zum Fly-away war wirklich schlimm und hat einem echt den Spass verdorben. Außerdem war die Steuerung per Wlan sehr störungsanfällig…
  • gleiches gilt für die AR-Drone 2.0, die war sogar kaputt. Der Höhenmesser hat nur Unsinn geliefert, die Drohne lag auf dem Boden und in der App stand „Höhe 8m“. Und dann hat sie plötzlich „Höhe 2m“ gemessen und schoß mit Vollgas 6m nach oben, um kurz drauf wieder 25m zu messen, so dass sie runter gefallen ist… Amazon hat sie 2x anstandslos getauscht, am Schluss gab es das Geld zurück
  • Mini Drone 2.0 – witziges kleines Teilchen zum Indoor fliegen.
  • Eine DJI Phantom 3 Pro musste natürlich auch her, man möchte ja schöne Aufnahmen machen… leider fliegt sich das ding etwas… langweilig. Wie ein Bus in der Luft. Man stellt das ding da irgendwohin und da bleibt das ding dann auch stehen. ohne was zu machen. Kann jeder Depp – keine Herausforderung. Aber die Fotos und Videos sind super:
  • Hubsan X4 FPV – Einstiegsdroge für FPV-Flight:
  • danach kam der 'Nighthaw 280pro', hatte die RTF-Version mit eigener Funke…. stellte sich dann irgendwann als Fehler heraus. Mit einer richtigen Funke und entsprechendem Empfänger kann man weit mehr machen, außerdem kann man selbst reparieren. Das ding hat schon ne Menge mit gemacht: FPV-Kamera getauscht, Mainboard getauscht, Motor getauscht… Aber fliegt noch!
  • ich hab mir zum Üben indoors noch einen Micro-Copter gebastelt, der auch FPV-Fähig ist. Nur ist das Ding so flott, dass man indors nur mit viel Platz so wirklich „üben“ kann:
  • jetzt habe ich noch einen echten Racer mit 200er Frame, KISS Controller / ESCs – super klasse zu fliegen…

FPV-Flug ist was tolles, macht super Spass und ist, da man eh nicht besonders hoch fliegt (zumindest mit diesen Racern der 250er Klasse, die MicroDrones können eh kaum sinnvoll höher fliegen) ne ziemlich sichere Sache, wenn man sich der Gefahren und Risiken bewusst ist und nicht wie ein Idiot rumfliegt! Aber dazu später mehr…

Gefahr durch Drohnen

Anyway… warum schreib ich das hier?

Es gibt doch jetzt eine große Diskussion über Sicherheit und Drohnen und wie gefährlich das doch ist. Und erst heute (5.10.2016) gab es wieder eine Meldung in den Nachrichten, dass irgendwelche Drohnen-Idioten in der Nähe vom Flughafen rumgeflogen sind und dabei den Flugzeugen bis auf 30m nah gekommen sind. Die Kripo ermittelt da jetzt zurecht. Und der Aufschrei der Gesellschaft ist groß, dass doch „endlich was getan werden muss“ und die Medien greifen das gerne auf, um die Mär des „Bösen Drohnenpiloten“ zu erzählen.

Da gibt es nur eines zu beachten: Es ist schon jetzt verboten, über Menschenmengen, über öffentliche Gebäude oder in Flughafennähe zu fliegen. Sieht man auch an dem Beispiel oben: die Kripo ermittelt! Auch gibt es die Regeln des normalen Luftverkehrs schon länger, so darf man in gewissen Bereichen nicht höher fliegen als 100m oder so was (die Angaben sind meistens in Fuß). Auch darf man nicht über Fremde Grundstücke fliegen bzw. zumindest nicht tiefer als 74m (glaub ich – da gbits ne Grenze). Auch das Fliegen über stark befahrene Strassen oder Autobahnen ist schon jetzt nicht erlaubt. In urbanen Gebieten empfiehlt es sich eh eine sog. „Aufstiegserlaubnis“ zu beantragen, denn sonst dürfte man das dort im Allgemeinen auch nicht.

Lustig ist, dass der Aufschrei besonders groß war, als bei der Ski-WM im Februar 2016 (oder so) eine Drohne hinter einem Skifahrer runtergekracht ist. Klar, das war gefährlich. Aber, das war eine Profi-Drohne, vom TV-Sender. Das hat einer gesteuert, der sowieso schon viel strengeren Regeln unterliegt als der Hobbyflieger, weil er das kommerziell macht. Und dennoch ist so was passiert…. Und die neuen Regelungen würden für diesen Fall vermutlich gar nicht greifen, da kommerzielles Fliegen anders geregelt wird.

Das Problem ist nicht, dass es zu wenige Regeln gäbe – die kennt nur keiner und es wird nicht durchgesetzt. Zugegeben, ist auch schwer durchzusetzen, da es ja nicht klar ist wer hinter so einer Drohne steckt, solange das Ding nicht gekennzeichnet ist. Wäre vielleicht eine Idee, die Leute mit der Fernbedienung zu fragen und nicht den Drohnen hinterherzujagen!

Aber geht mal in einen Laden und interessiert euch für eine Drohne – wenn ihr Glück habt, werdet ihr darüber aufgeklärt, dass ihr eine Haftpflichtversicherung benötigt und den Nachweis beim Fliegen dabei haben müsst – meistens nimmt man das Ding einfach mit, ohne dass einem auch nur eine Frage gestellt wird. Und wenn man das Dröhnchen seiner Wahl online ordert, ist’s eh aus mit Beratung.

Und dann fliegen die Leute mit dem Ding los und haben zum einen keinen Plan darüber, was man darf und was nicht, geschweige denn, dass sie das Ding im Notfall beherrschen können. So eine Phantom fliegt halt super einfach – solange sie GPS Empfang hat. Und wenn damit mal was schief geht, fliegt das ding mit Vollgas Richtung China! Man muss im Notfall halt auch ohne diese technischen Hilfsmittel auskommen.

Wie ihr oben lesen könnt, hatte ich schon so einige Drohnen und beschäftige mich ein paar Jahre mit dem Thema, und dennoch würde ich nicht behaupten, dass ich der Über-Crack beim Drohnenfliegen bin. Ich traue mir zu, eine Drohne im Normalfall sicher landen zu können, komme auch ohne Technische Hilfsmittel einigermaßen klar, ich kenne die Gefahren, die von ihr ausgehen und bin mir bewusst, was ich da tue. Ich glaube, das kann man nicht von allen Personen da draußen behaupten, die Drohnen haben und damit rumfliegen. (oder auch ganz allgemein)

Jetzt wird seitens der Politik wieder blinder Aktionismus gezeigt, z.B. die maximale Flughöhe für Drohnen auf 100m festlegen und so weiter. Das ist aber eigentlich ziemlich unfair (auch wenn es mich nicht betrifft, musste bisher noch nicht höher fliegen). Es gibt eine Menge von Modellfliegern, die eben gerne auch mal in den Alpen rumfliegen und dort ist man gerne mal höher als 100m. Die könnten ihr Hobby dann nur noch illegal betreiben – oder es gibt eine Ausnahmeregelung, was die Regel dann wieder Ad-Absurdum führt.

Die Kennzeichnungspflicht für Drohnen finde ich zunächst mal gut, wenn sie nicht, wie beim Auto ein Nummernschild von der Größe eines Pizzablechs vorschreiben. Ich hab damit eher weniger ein Problem, allerdings bleiben meine Drohnen immer in Sichtweite und ich bin auch versichert und falls etwas passiert, würde ich mich sicher nicht aus dem Staub machen.

Aber es gibt ja noch die Technischen Defekte, insbesondere die „Fly-Aways“ sind böse. Hatte ich mit meinen AR-Drohnen und bei den Phantoms habe ich auch von solchen Fällen gelesen. Da kann dann keiner so wirklich was für. Obwohl es oft auch Fehlbedienungen des Users sind, bzw. wenn er genau wüsste, was er tut, könnte er die Fly-Aways schon verhindern. Z.B. bei der Phantom so schnell wie möglich GPS ausschalten und manuell zurück steuern. Wenn man damit wartet, bis das Ding außerhalb der Reichweite ist, wird’s schwer. Wenn solch ein technischer Defekt dafür Sorgt, dass die Drohne irgendwohin fliegt und dort evtl. schaden anrichtet, ist es nur legitim eine Kennzeichnung zu fordern. Denn die Haftpflichtversicherung des Drohnenpiloten sollte die entstandenen Schäden schon übernehmen. Aber wenn der Drohnenpilot nicht auffindbar ist…

Beim FPV-Flug ist natürlich der Ausfall der Videoübertragung gefährlich. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als den Not-Aus zu betätigen, bzw. das Ding landen zu lassen. Allein deswegen empfiehlt es sich schon, in Sichtweite zu bleiben, sonst findet man seine Drohne ja nie wieder. Die meisten Versicherungen schreiben auch einen sog. Spotter vor, der einen vor Gefahren warnen kann.

Wenn der Gesunde Menschenverstand doch einigermaßen gleich verteilt wäre in der Welt, benötigte es solche Regeln überhaupt nicht. Denn wie dämlich muss mann denn sein, um in der Einflugschneise des Münchner Flughafens rumzufliegen um… ja was eigentlich? Tolle Aufnahmen können das eigentlich kaum sein. Und sich mit einer Boing 747 anlegen ist sicher auch keine allzu tolle Idee… Ein Wettrennen zw. Drohne und startendem A380? Schwierig – TopSpeed so einer Drohne liegt vermutlich weit unter 120km/h, das dürfte jeder Jet schon vor dem Start toppen können.

Vermutlich ist bei einem Zusammenstoß am Ende nur die Drohne kaputt, aber wer kann das schon garantieren. Und dann hat der kleine, unwissende Drohnenpilot einen riesen Schaden angerichtet und im schlimmsten Fall auch noch Menschleben auf dem Gewissen. Also noch mal: Wie blöd kann man eigentlich sein!?!?!

Aber diese paar – sorry – Idioten und Voll-Honks sorgen dafür, dass wieder mal alle über einen Kamm geschoren werden. Jetzt werden die Regeln verschärft, und die, die sich bisher nicht drum gekümmert haben, werden es mit ziemlicher Sicherheit auch nach der Änderung der Regeln nicht tun. Und die, die aus Unwissenheit handeln, würden sich jetzt auch dran halten, wenn sie es nur wüssten (es sei denn, sie gehören dann zur ersten kategorie).

Alles in allem ist das mal wieder eine typisch dämliche politische Diskussion, blinder Aktionismus ohne das Problem wirklich verstanden zu haben oder auch nur wirklich beheben zu wollen. Klar, ich rede mich leicht, ich habe nämlich auch keine Lösung. Aber eines weiß ich, der aktuelle Vorschlag ist auch keine!

Immerhin haben sie die Regeln für FPV-Flug jetzt in dem Gesetzesvorschlag aufgenommen – dann hinkt die Legislative nicht mehr Jahrzehnte hinter der Technik her, sondern nur noch Jahre… man freut sich schon über solche Kleinigkeiten.

erstellt Stephan Bösebeck (stephan)