Datenschutz oder bin ich einfach paranoid?

veröffentlicht am : Mo, 15. 07. 2013 geändert am: Mo, 15. 07. 2013

Kategorie: Allgemeines

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Bin ich eigentlich der einzige, der sich über Prism, Tempora und Co so seine Gedanken macht? Manchmal habe ich schon das Gefühl, denn egal wen ich Frage, meist bekomme ich eine Antwort wie "ist mir doch egal" oder "Ich habe nichts zu verbergen", wenn die Diskussion weiter geht werden meine Argumente mit starken Übertreibungen als "paranoid" und "du spinnst" abgetan. Spinne ich wirklich? bin ich zu blöde, das zu verstehen? Klar, von uns weiß keiner wirklich, ob Snowden mit seinen Aussagen recht hat, ob es wirklich so "schlimm" ist. Aber wenn wir ihm mal Glauben schenken (immerhin hat er sein Leben damit ruiniert) dann ist das schon beängstigend. Ich werde hier mal meine Meinung kundtun und ihr dürft dann selbst entscheiden, ob und wie ich spinne...

Informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist eines der Rechte des Einzelnen, welches im Deutschen Bundesgesetz verankert wurde und ist Teil des Datenschutz. D.h. ich darf bestimmen, wer wann welche Daten von mir bekommt und ob und wie er sie nutzen / weitergeben darf.  Natürlich dürfen Behörden evtl. ohne Zustimmung diese Daten einsehen, z.B. bei Strafverfolgung - das allerdings nur, wenn es einen Gerichtsbeschluss gibt. Man könnte die Diskussion also ganz einfach so beenden, indem man dieses Gesetz zitiert. Damit ist z.B. Prism einfach illegal - auch in USA oder dem Rest der EU übrigens. Aber das ist ja zu einfach, das Argument zählt komischerweise nicht. Es ist zwar verboten, aber der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel. Und "Ich hab ja nix zu verbergen"... Ich bestelle auch bei Amazon, mein Name ist im Internet leicht zu finden, meine Adresse auch. Dennoch bin ich nicht "gläsern" - und das soll auch so bleiben. Ich habe auch ein Facebookaccount, und auf auf Google+ bin ich zu finden, auf Twitter sowieso. Aber bei all diesen Medien bestimme ich, welche Information wann und wie veröffentlicht wird. Zumindest weitgehend (google bekommt auch mit, was ich so suche). Ich habe mich auch erst in den letzten 2 Jahren mit dem Thema beschäftigt. Vorher war ich auch der Meinung "hey, ich hab nix zu verbergen. Ihr dürft mich gerne überwachen". Bis ich diesen Gedanken mal weiter gesponnen habe. Meine Frau hat mir den Anstoß zum Nachdenken gegeben. Ich bin ein Verfechter der Freiheit in diesem Bereich: und es gibt keinen Grund die Bundesgesetze mit Füßen zu treten (wenn es denn so ist, wie Snowden behauptet).

Was stört mich das, ich hab nix zu verbergen?

Das ist ein ziemlich kurzsichtiges Argument. Privat ist privat und geht niemanden etwas an - völlig egal, ob und wie er was damit anstellt oder nicht. Es hat einfach niemanden zu interessieren, was ich privat mache. Wenn er etwas wissen will, kann er fragen und ich teile ihm dann das nötige mit oder ein Richter entscheidet, dass ich überwacht werden soll, weil es einen Verdacht gibt. Aber einfach so grundsätzlich überwachen... das geht nicht. Mit dem gleichen Argument darf dann auch der Chinesische Staat (oder irgendein totalitäres Regime) alle seine Bürger überwachen und kontrollieren? Das gleiche hat der Stasi gemacht, die meisten hatten ja wirklich nix zu verbergen - aber diejenigen, die politisch was verändern wollten? Und ab wann ist es denn eine politische / strafbare Handlung / Aussage? Stasi ist schlecht, aber das Ausspähen der ganzen weil mit Prism und Tempora ist gut? Hä? Lebe ich in einer verkehrten Welt? Ja, es werden ja vordergründlich Verbrechen verhindert... streng genommen hat das die Stasi auch getan... (Staatsflucht war damals auch ein Verbrechen) Ja ja, jetzt kommt wieder das Argument mit der "Verschwörungsparanoia". Es geht hier nicht darum, Verschwörungstheorien zu erfinden. Es geht darum, die Privatsphäre zu wahren und die Argumente mit solchen, zugegeben krassen und evtl. übertriebenen Beispielen, zu untermauern. Dass sich aus der systematischen Verletzung der Privatsphäre auch schlimme Dinge ergeben können, sollte eigentlich jedem klar sein, auch wenn er noch so unbescholten ist (siehe Stasi, China, etc). Man stelle sich nur ein Gesetz vor, wie es jetzt in Russland beschlossen wurde, das "positive Äußerungen" über Homosexualität unter Strafe gestellt werden. Aha... und ab wann wird das strafbar? Wenn ich eine Mail an meinen Kumpel in Kasachstan schicke und darüber rede? Ist das schon strafbar? Geht er dann in den Knast, oder ich, obwohl ich ja in Deutschland bin? Wie ist dass, wenn er auf meine Mail antwortet, und unten in der Mail meine evtl. positive Äuserung drin steht? Wie ist es dann noch mit der Freien Meinungsäußerung und Redefreiheit - der Grundlage einer jeden Demokratie? Was die meisten derer mit der "ist mir egal / nix zu verbergen"-Haltung leider verkennen ist, dass es nicht nur um sie geht. Es ist ja ihr gutes Recht, ihre Daten in die Welt zu schleudern und damit zu machen, was sie wollen. Es gibt aber auch Leute, die das nicht möchten - es ist ein Recht dieser Personen, dass ihre Daten nicht ohne ihr wissen verbreitet werden - und ist das nun weniger wert weil die anderen zu faul sind sich darüber mal Gedanken zu machen? Sich zu informieren? Was ist mit denen, die schon mal einen Schaden durch Datenmissbrauch hatten? Ich kann nur zu gut von Terroranrufen von so einigen, ziemlich penetranten Callcentern berichten, die mir unbedingt irgend ein dämliches Gewinnspiel aufschwatzen wollen oder dringen an meine Kontodaten müssen, weil ich ja was gewonnen hab. Und das nur weil ich meine Addressdaten mal "versehentlich" rausgegeben habe - gerade gestern hatte ich wieder 35(!) Anrufe von einer dieser Nummern in meiner Fritzbox. Die rufen bestimmt ca. 100 Mal im Monat an - zum Glück kann ich die Nummern sperren. Nervig ist es doch, denn diese Callcenter benutzen immer wieder neue Telefonnummern und immer wieder neue Maschen. Dazu muss ich auch noch mal einen Blog Eintrag schreiben... Was wirklich nervig ist bei dieser ganzen Diskussion ist, dass die meisten "ist mir egal"-Menschen, sich überhaupt nicht mit dem Thema beschäftigt haben. Sie haben gar keine Ahnung, was genau man mit solchen Daten tun kann oder wie schlimm dieser Eingriff in die Privatsphäre sein kann. (Ignorance is bliss) Und es ist ihnen auch egal, wenn das andere stört, ja reagieren sogar häufig aggressiv wenn man versucht die Gefahren aufzuzeigen. (was wieder mal zeigt, wie gleichgültig und rücksichtslos unsere Gesellschaft geworden ist - aber das ist ein anderes Thema)

Was kann denn schon passieren? Ich find zielgerichtete Werbung toll...

Stimmt, wenn es nur um Werbung ginge ist alles super. Man wird nicht mit Werbung für Autozubehör belästigt, wenn man gar kein Auto hat... Stimmt schon, das wäre alles so schön. Das ist es ja, was Google, Amazon, Ebay und Co machen. Und das ist per se ja auch nicht schlimm... ABER: diese Daten liegen irgendwo gesammelt zentral auf irgendeinem Server. Und diese Daten sind interessant. Adresshändler bezahlen bis zu 5€ pro Adresse, wenn man diese mit Daten wie Geburtsdatum, Familienstand, Kreditwürdigkeit und Interessen anreichern kann. Das bedeutet, da liegt eine Menge Geld rum (man denke nur an die mehreren 100 Millionen Nutzer von Facebook, die alle diese Daten freiwillig preis geben)... und Geld lockt auch immer zwielichtige Gestalten (wie z.B. diese Gewinnspielfuzzies die einen dann mit 35 Terroranrufen am Tag nerven). Schlimmer wird es, wenn Daten gesammelt werden und mit anderen Daten verknüpft. GPS-Daten mit dem Einkaufsverhalten, Einkaufsverhalten mit den Emails, Emails mit dem Surfverhalten, Verwandtschaftsverhältnisse mit allem. Dann bekommt man binnen kürzester Zeit einen "gläsernen" Bürger, denn bei diesen Informationen ist immer auch was dabei, was derjenige gerne für sich behalten würde. Was er vielleicht sogar geheim halten möchte.

Wissen ist MACHT!

Und schon sind wir bei dem beliebten Ausspruch, den keiner mehr so wirklich versteht. "Wissen ist Macht" und die "Feder ist mächtiger als das Schwert" (und wer jetzt an einen Vogel denkt, hätte gar nicht so weit lesen sollen!). Gerade in unserer jetzigen Informationsgesellschaft ist Wissen eines der wichtigsten Güter. Informationen werden gehandelt, verkauft, verschachert und verschleiert. Informationen = Wissen = Macht... Da gibt es zwei Fälle: zum einen, man hat etwas, das man gerne für sich behalten möchte (sexuelle Ausrichtung, private Fotos, "kranke" Hobbys, oder auch eine Krankheit), aber jemand weiß davon und setzt einen unter Druck. Damit wird man erpressbar... und ich höre die IsMirEgals schon wieder sagen "aber ich bin nicht erpressbar". Erstens wage ich das zu bezweifeln, sonst bräuchte man keine Privatsphäre, könnte weiter unbekümmert auf Bäumen leben und das weithin für alle sichtbar. Zweitens, mal wieder, es geht nicht um euch oder mich - es soll nur zeigen, was mit solchen Daten passieren könnte. Seltsamerweise ist jeder damit einverstanden, dass alle Autos eine Bremse eingebaut haben, die der TÜV regelmäßig prüft, weil man evtl. andere damit gefährden würde. Aber beim Datenschutz geht’s plötzlich immer nur um "mich" und die anderen sind mir egal. Und selbst wenn es einem nur peinlich ist, dass jemand diese Dinge weiß. Hinter jeder Behörde stecken auch Menschen. Was ist denn mit den Menschen, die sich wegen irgendwas schämen? Da kann man schnell in die Blicke der Mitmenschen was reininterpretieren, was nicht da ist... Zum Anderen können all diese Informationen fehlinterpretiert werden. Niemand ist unfehlbar. Auch Computer können nur das machen, was Menschen ihnen eingegeben haben. Und die sind nicht unfehlbar. Das kann ganz seltsame Effekte haben, die teilweise dazu führen, dass Leben zerstört werden. Beispielsweise wenn in den USA jemand zu unrecht an den Pranger der Sexualstraftäter kommt - das Dementi ist nur sehr klein und führt wirklich selten dazu, dass sich die Meinung all der Leute ändert, die die erste Meldung gelesen haben. Und jetzt muss man nur noch die Statistik bemühen und schon ist man "verdächtig". Alle Amokläufer haben Killer-Spiele gespielt? Du hast welche gekauft und sogar illegal runtergeladen - oh oh - das ist doch ein Indiz... 83,7% aller Drogendealer hören gerne Grunch - oh, du auch... und du hast schon mal nach Marihuana im Internet gesucht - du bist bestimmt ein Kiffer und handelst mit Drogen! Klar, das ist jetzt übertrieben, aber genau so was spuckt leider eine Statistik aus. Und klar, wären vermutlich auch einige Drogendealer oder angehende Amokläufer in der Ergebnisliste. Aber das sind Probleme, die man erstens auch anders in den Griff kriegen muss (Warum läuft jemand amok? Warum kauft jemand Drogen?) und zweitens auch anders rausfindet (zum Amoklaufen braucht man ne Waffe - die Drogen müssen ja auch irgendwie weitergegeben und bezahlt werden).

Sollte man den Regierungen nicht vertrauen?

Ja, klar - gute Idee... das klappt ja so gut in Russland und China. Hier ist es anders? Klar ist es das, weil ich so einen Post schreiben darf, weil ich meine Meinung äußern darf. Wer weiß, ob das so bleibt. Und wenn uns Edward Snowden eines gezeigt hat, dann dass hinter jedem Regierungsapparat immer auch Menschen stecken. Mit all ihren Bedürfnissen, Meinungen und evtl. auch mit genug krimineller Energie um den Datenschatz der vor Ihnen liegt gewinnbringend zu nutzen. Und niemand kann sagen, das wird mit Einstellungstests verhindert: Snowden wurde auch nicht verhindert!

Die werden sich doch was dabei gedacht haben...

Klar haben sie das. nur was genau? Prism und Tempora sind  Multi Millionen Dollar Projekte. Und ich unterstelle der NSA und dem Britischen Geheimdienst mal, dass sie wirklich nur gutes im Sinn hat mit diesem Projekt. Aber: "Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen". So ein Rundumschlag, egal wie gut gemeint, kann leicht nach hinten losgehen. Bei so einer Menge an Daten und Personen, die darauf zugriff haben und die niemand kontrolliert KANN es einfach keine Sicherheit vor Missbrauch dieser Daten geben. Wenn diese Daten wirklich nur für den Zweck genutzt würden, für den sie gesammelt wurden, dann wäre doch alles Super. Dann könnte man aber den Menschen bedingungslos vertrauen und man bräuchte gar keine solche Datensammlung.

 Aber es werden doch Verbrechen verhindert...

Auch ne nette Theorie. Aber offensichtlich funktioniert das eben nicht: In München und Stuttgart wurden mehrere Möchtegern-Terroristen festgenommen, weil sie dubiose Geldtransaktionen getätigt haben (Anfangsverdacht) und es dann einen Gerichtsbeschluss gab, die weiter zu untersuchen und dann sind sie aufgeflogen. Ging ganz ohne die Privasphäre aller Bürger in München oder sonst wo zu verletzen! Nein, einfach nur sinnvoll recherchieren. Wenn wirklich so viele Verbrechen und Terroranschläge nur mit Prism oder Tempora vereitelt worden sind, warum weiß man dann nix davon? Warum wird das jetzt nicht, wo alles raus gekommen ist, an die große Glocke gehängt? Auch hat die ganze Überwachnung mit Prism (wenn Snowden die Wahrheit sagt) nicht den Anschlag in Boston verhindert - oder den in Schweden. Warum nicht? Jeder der ein wenig Grips im Kopf hat, weiß, das Email und Internet überwacht werden kann, wenn man sich verdächtig verhält (zumindest nahm man das an, dass es einen Anfangsverdacht benötigen würde). Da gab es z.B. Mitte der 90er Jahre schon eine Liste von Schlüsselwörtern, auf die die Geheimdienste angeblich reagieren. Diese sollte man an seine Emails anhängen , um die Server der Geheimdienste zum Platzen zu bringen. Auswirkungen hatte das vermutlich keine, zeigt aber, dass man schon damals davon wusste, dass es Überwachung im Internet gibt. Aber somit würde jeder, der irgendwas illegales plant sicher nicht einfach "so" eine Email schicken oder bei Google nach "wie kann ich einen Anschlag auf möglichst viele Ungläubige verüben" suchen... jeder von denen verschlüsselt seine Kommunikation mehr oder minder gekonnt, damit man eben nicht drauf kommt. Oder man benutzt Codes, oder ne gute alte Schreibmaschine, oder ne Brieftaube oder oder oder.

Aber Amazon weiß auch, was ich kaufe. Meine Bank auch, ebenso die Kreditkartenfirma...

Wieder richtig. Aber diese Daten sind isoliert. Amazon weiß z.B. nix von deinem Kontostand oder deiner Krankengeschichte, die Bank nix davon, wie viel Punkte du in Flensburg hast und was deine Lieblingsstellung beim Sex ist. Das geht die auch nix an. Außerdem habe ich wissentlich meine Daten weiter gebebn, ich habe die Entscheidung getroffen, mit Karte zu zahlen (hätte ja auch erst Bargeld beim EC-Automaten holen können), ich habe (mehr oder minder) bewusst diese Daten weiter gegeben. Wenn ich diese Entscheidung nicht mehr treffen kann, dann haben wir ein Problem - und genau das haben wir anscheindend mit Prism und Tempora. Gefährlich ist es, dass die Daten erstens verknüpft sind, und zweitens dass sie sich über mehrere Jahre ansammeln (zumindest bei der NSA). Wenn Snowden recht hat, dann werden all diese Daten, unter Anderem auch die Skype-Gespräche, seit 2007 aufgezeichnet. Und ich weiß sicher von einigen Personen, die in ihrer Fernbeziehung so was wie Cyber-Sex über Skype gemacht haben. Ich weiß ja nicht, ob euch der Gedanke gefällt, dass ihr gerade als irgendeine W...-Vorlage herhalten müsst.

Und was ist mit dem vereitelten Bombenanschlag  am Bahnsteig? Ich hätte gerne mehr Kameras!

Stimmt, hätte ich auch. Ich bin auch für mehr Überwachung, insbesondere auf öffentlichen Plätzen. So dass man Straftaten besser verfolgen kann, dass man sich sicherer fühlt. Das bedeutet auch, dass diese Videodaten erst mal gespeichert werden müssen. Verbrechen, die in der Öffentlichkeit begangen werden, werden meist sofort angezeigt oder man hat sofort oder ziemlich zeitnah ein Opfer zu beklagen. Da macht es auch keinen Sinn, diese Videodaten jahrelang aufzuheben. Ein paar Tage oder Wochen sollte reichen, aber auf gar keinen Fall unbefristet. Selbst bei Tempora werden die Daten angeblich nach 30 Tagen gelöscht! ABER: nach einer gewissen Zeit müssen diese Daten eben wieder gelöscht werden. Es geht niemanden was an, ob ich da einkaufen war und ob Herr Müller im SexShop war oder Frau Müller sich dort mit ihrem Lover verabredet hat (fremdgehen ist noch nicht strafbar). Alles in Allem werden mit dieser Überwachungsaktion ala Prism keine Schwerverbrecher gefasst. Ich kann mir nicht wirklich erklären, was das soll. Denn all das, was ich oben geschrieben habe ist hinlänglich bekannt und jeder, der sich mit der Materie auseinandersetzt, weiß das. Eigentlich kann es nur darum gehen, entweder kleinkriminelle wie Downloader oder so zu erwischen... oder es geht um Kontrolle von Bürgern und einflussreichen Persönlichkeiten (s.o.).

Und was soll man jetzt tun? Keine EC-Karten mehr benutzen? Das internet abschalten?

Wieder mal hat man mir nicht zugehört. Die modernen Services und das Internet nicht mehr nutzen aus solch einer Sorge heraus wäre doch echt paranoid. Die Daten, die z.B. von Amazon erhoben werden, sind andere, als die der Telekom und haben erst mal nix miteinander zu tun. Und so kann es auch bleiben. Problematisch wird es, wenn man die Daten zusammenpackt (s.o). Jeder sollte sich einfach bewusst sein, was er mit seinen Daten anstellt. Wenn er auf Facebook gerne Nacktfotos postet, die dann von Facebook zwar gebannt werden aber trotzdem weiter verkauft (immerhin hat Facebook alle Nutzungs- und Veräußerungsrechte an jedem hochgeladenen Bild), dann tut derjenige das bewusst und das darf er auch gerne tun. Keine Einwände. Wenn ich mit Kreditkarte zahle, mache ich das auch bewusst, die Kredikartenfirma weiß dann zumindest an wen das Geld geht - nicht aber, was ich gekauft habe. Es gibt z.B. bei einigen, insbesondere Sex-Spielzeug- oder sonstigen Schmuddelkram-Versendern die Option, die Zahlung z.B. von einem anderen Büro einziehen zu lassen, so dass in der Kredikartenabrechnung eben nicht "Beate Uhse" oder "Sexshop Pervers - Schillerstr." sondern "Dingsbums GmbH" oder so was steht. Seid euch einfach bewusst, was ihr da macht. Und ob das ok für euch ist, oder nicht. Überlegt euch, wer eure Daten bekommt und was er damit tut!

Und was ist Mit der Schufa? Da kann ich doch auch nix machen...

Die Schufa ist einer der größten Datensammler in Deutschland und auch das ist zumindest fragwürdig. Aber: jeder kann seine Daten einsehen und bei Bedarf auch einen Antrag stellen, dass diese Daten korrigiert werden. Außerdem hält die Schufa "nur" Daten bzgl. der Zahlungsmoral etc. Und ich muss jedes mal zustimmen, dass meine Bank oder sonst wer eine Schufaanfrage stellt. Wenn ich das nicht will, geh ich halt woanders hin. Gibt ja genügend Anbieter die Kredite auch ohne Schufa anbieten. (ob das nun eine gute Idee ist, muss jeder für sich entscheiden).

"If a product is for free, than YOU are the product"

Das ist ein sehr wichtiger Satz - Wenn etwas umsonst ist im Internet, dass bist du das Produkt, d.h. deine Daten oder dein Verhalten. Manchmal ist es gar nicht umsonst, sondern die Kosten kommen später (z.B. durch In-App-Purchase, oder wie bei WhatsApp durch späteres Einführen eines Abo-Modells). Aber grundsätzlich ist Nix umsonst - die Erstellung allein von so einer App wie z.B. WhatsApp ist viel zu aufwendig. Klar gibt es Opensource, das ist aber auch wieder ein ganz anderer Ansatz. Auch hier verfolgt man wieder den "Freie Gedanken" und "Freie Rede"-Ansatz um gemeinsam mehr zu erreichen (Free Software: "Free as in 'free speech', not as in 'free beer'" - Richard Stallman) Gerade bei Apps handeln die Leute nach dem Prinzip, je günstiger desto gut. Eines der neuesten Beispiele ist "Viber". Das ist umsonst, verlangt als Gegenleistung "nur" dass man das gesamte Adressbuch auf deren Server hochlädt. Die Firma selbst hält sich aber total bedeckt, wenn man mal fragt, was sie eigentlich mit den Daten so machen. Oder wo der Firmensitz ist. Ich mein, das könnte man doch relativ eindeutig beantworten. Aber der ist mal in USA, mal auf Zypern mal weisdergeierwo.  Und wer die finanziert - auch nicht klar... die NSA? Oder private Geldgeber / VCs? Google? Aber natürlich meinen die das nur gut. Das sind ja solche Gutmenschen, die machen einen Dienst an der Allgemeinheit, alles für umsonst, tragen sogar die Kosten für die Infrastruktur selbst. Und das nur, weil es gute Menschen sind... BLÖDSINN. Schaltet euer Hirn ein. Gerade so was macht mich rasend - da werden die Daten von Dritten einfach hochgeladen, ohne dass diese gefragt werden. Und wenn man die Leute darauf aufmerksam macht, erntet man nur ein Schulterzucken und ein "du bist doch paranoid - ich kann umsonst telefonieren". Man kann umsonst telefonieren, verkauft aber seine Seele (im übertragenen Sinn) und reißt Freunde und Verwandte gleich mit in den Strudel... eigentlich geschieht es denen recht, wenn ihre Daten missbraucht werden, evtl. gibt’s ja so eine Art "Darwinsche Auslese" auch im Internet. Aber leider bin ich bei einigen dieser Personen im Adressbuch gespeichert und Schwupp sind auch meine Daten z.B. bei Viber & Co auf dem Server. Ich höre die MirEgals schon sagen, "was kann man denn damit anfangen?" - und schon sind wir wieder ganz oben in diesem Post. Ist mir egal, was sie damit anfangen können, es widerspricht deutschem Gesetz der informationellen Selbstbestimmung und es geht sie verdammt noch mal nix an! Gleiches gilt im Übrigen für die extrem gehypte "WhatsApp". Auch dort werden wieder mal alle Kontaktdaten auf den Server geladen und zu allem Überfluss auch noch unverschlüsselt - d.h. jeder, der will kann mitlesen. Mal abgesehen davon, dass auch die Chats nicht verschlüsselt sind und da auch wieder jeder Mitlesen kann. Ja das Mitlesen ist wieder mal nicht "zwingend" ein Problem - wie mir die MirEgals immer wieder glaubhaft versichern unterhalten sie sich ja nur über Belanglosigkeiten. Wenn das so ist, ist deren Leben wirklich langweilig und die sollten sich alle WhatsApp & Co installieren. Irgendwann kommt immer der Punkt, wo man vergisst, dass man beobachtet wird (denkt mal an BigBrother oder das Promi-Dschungelcamp! Die haben sich auch nicht immer 100% unter kontrolle), wo man "mal eben" schnell die Kreditkarten Info oder das Passwort fürs WLAN per WhatsApp oder Viber versendet.... und dann? Wer ist denn dann schuld, wenn irgendwas illegales damit passiert? Nach aktuellem Recht (Stichwort "Störerhaftung") ist jeder Inhaber des WLAN für etwaigen Missbrauch davon haftbar.

Die DE-Mail bringt mir aber Privatsphäre....

Tja, schön wäre es... leider ist es so, dass die DE-Mail niemals end-to-end verschlüsselt ist. D.h. die Daten gehen verschlüsselt an einen Verteiler, werden dort entschlüsselt (sind also im Klartext vorhanden) und werden von da aus verschlüsselt weiter gesendet. An diesen Knotenpunkten setzen alle Überwachungsmaßnahmen natürlich an. Technisch gibt es überhaupt keinen Grund, das so zu machen. Der einzige Grund, der mir da einfällt ist, eine Überwachung möglich zu machen. Oder die EMails zumindest irgendwie auszuwerten. Jeder, der sich mal wieder ein Wenig mit dem Thema beschäftigt hat, findet 100e Fachleute die diesen Ansatz bemängeln und kritisieren. Das Argument des "Serverseitigen Virenscans" lass ich nicht gelten: das ist ziemliches Blendwerk! Denn jeder Rechner (zumindest wenn er mit Windows betrieben wird) benötigt einen lokalen Virenschutz. Und da die Viren immer besser "verpackt" werden (als Zip mit Passwort gepaart mit einem sehr gut formulierten Text) funktioniert Serverseitiges Virenscannen überhaupt nicht mehr. Dazu kommt noch, dass für so eine Verschlüsselung End-To-End eine Software benötigt, die - ähnlich dem HBCI-Banking - eine User-Interaktion benötigt. Also zumindest die Eingabe von einem Pin oder sonst etwas (denn sonst könnte ich ja zum Beispiel einen behördlichen Brief als meine Frau absenden).  Und dann kann ein Virus nur sehr schwer ohne zutun des Benutzers sich selbst versenden. Selbst der renomierte Chaos Computer Club kritisiert die De-Mail.  Außerdem sollen diese DE-Mails ja auch Geld kosten - die kann also gar nicht "einfach so" im Hintergrund versendet werden, da man ja nach dem aktuellen Telemediengesetz bei jedem Kauf im Internet darauf aufmerksam gemacht werden muss, dass man jetzt was kostenpflichtiges tut (Buttons mit "Jetzt kostenpflichtig für 3,54€ bestellen"). Mal abgesehen davon, dass man die Virenscanner theoretisch ganz abschaffen könnte, wenn die Leute mit Verstand surfen würden und sich ne Firewall installierten - oder ein sicheres Betriebssystem nutzen. Wieder ein anderes Thema...

ABER: Verschlüsselung ist die "Rettung"

Gerade wenn man sog. asymmetrische Verfahren (mit Public Keys z.B.) verwendet, kann man momentan sehr sicher sein, dass die Kommunikation nicht abgehört werden kann und dass private Mails auch privat bleiben. Das kann jeder ausprobieren, einfach mal nach dem Gnu Privacy Guard (GPG) suchen. Da gibt es Plugins für alle gängigen Email-Programme. Leider geht das nicht ohne "Aufwand". Eine sichere Verschlüsselung funktioniert nur von End-To-End. Also wird beim Sender ver- und beim Empfänger (und vorzugsweise nur dort) entschlüsselt. Das geht aber nur, wenn der Sender den Schlüssel des Empfängers hat. Das macht ein wenig hin und her gemaile nötig, bevor das gehen kann. Es gibt zwar auch so einige Server, die diese Schlüssel / Zertifikate speichern und einfach angefragt werden, aber leider ist man da immer noch recht weit von einem Standard entfernt - es gibt viel zu viele "Telefonbücher" wo man nachsehen müsste. Aber so lange kein Markt für so etwas existiert, kann man auch nicht erwarten, dass jemand so etwas bereit stellt... ein typisches Huhn-Ei-Problem...

Aber so was bringt doch Verbrechern nur Vorteile?

Das ist zu allgemein gefasst. Die Technologie ist ja schon lange im Einsatz und jeder kann, wenn er möchte, auch jetzt schon seine Emails verschlüsseln. Das wird ganz sicher auch von zwielichtigen Gestalten benutzt um zwielichtige Pläne zu schmieden. Nur: das Schmieden von Plänen ist nicht strafbar, ja noch nicht mal immer verwerflich. Denn wenn man sich vor so was schützen will, muss man auch mal so einen Plan durchdenken (ein guter Admin sollte auch Wissen, wie man hackt). Mit Verschlüsselung selbst kann man eigentlich nichts schlimmes anstellen. Denn die Daten müssen ja irgendwo wieder entschlüsselt werden um irgend einen Nutzen zu haben. Und KinderPornos oder rechtsradikales Gedankengut? Stimmt, die könnte man verschlüsselt und somit sicherer übertragen. Man könnnte das ganze aber auch einfach ausdrucken und per Post oder Brieftaube versenden.... oder man fährt hin, und drückt dem Interessenten das Ding in die Hand... Jede Art von Technologie kann immer ausgenutzt werden für kriminelle und negative Zwecke. Mit dem Küchenmesser kann man Kochen, oder jemanden umbringen. Mit dem Hammer ein Haus bauen, oder jemandem den Schädel einschlagen. Sollen wir deswegen aufhören, warme speisen zu essen und wieder anfangen in Höhlen zu hausen? Wenn man das verhindern will, muss man jegliche Weiterentwicklung einstellen. Gibt es denn noch andere Meinungen? Tja, ich habe im Internet recherchiert und versucht, auch Argumente für diese Art der Überwachung zu finden - ich finde keine, abgesehen von dem der Terrorbekämpfung - was auch gerne mal das ein oder andere totalitäre Regime anführt, wenn man seine eigenen Bürger bespitzeln will. Alle sind sich einig, das so eine Überwachung mit dem Verlust der Freiheit gleichzusetzen ist. Die USA allen voran. Zeitgleich behaupten sie aber auch, Snowden lügt und das ist alles gar nicht so, wie berichtet. Gleiches gilt für die Briten. Also: alle sind sich einig, selbst die, die vermutlich gegen diese Gesetze verstoßen, dass es wichtig ist. Nur der Normalbürger, der sieht es nicht als wichtig an... er hat ja nix zu verbergen... ist das so? Und was soll ich mit der Information hier anfangen? Angst haben? Nein, Angst absolut nicht. Es gibt gar keinen Grund dafür, zumindest im Moment nicht. Aber es wäre echt schön, wenn es den ein oder anderen dazu anregen würde, sich zur Abwechslung mal selbst schlau zu machen, eine Meinung zu bilden und nicht einfach alles unreflektiert nachplappern (auch diesen Post nicht). Geht mit Bedacht mit euren Daten um, denn was mal im Internet ist, bekommt man NIE wieder weg - (siehe auch hier: http://www.datenschutz.de/beratung/) und das ist schön, so lange es nix negatives ist, was da gespeichert ist... Denkt einfach mal drüber nach!  

Weiterführende Links:

erstellt Stephan Bösebeck (stephan)