Test of tools: Vmware Fusion 5 vs. Parallels Desktop 8

veröffentlicht am : Do, 11. 07. 2013 geändert am: Mo, 29. 05. 2017

Kategorie: Computer --> Test of Tools

Schlagworte: test of tools osx vm


Ist mal wieder Zeit für einen kleinen Test für die Rubrik Test of Tools. Diesmal ein Vergleich zwischen Parallels Desktop 8.0 und VMWare Fusion 5. Insbesondere möchte ich hier mal einige Dinge vergleichen, die ich sonst nirgends erklärt bekommen habe.

Seit geraumer Zeit habe ich VMWare Fusion 5.0 im Einsatz, nicht nur für Windows (das kommt ganz selten und dann auch nur zum Testen vor) sondern auch, um einen OSX Moutain Lion Server laufen zu lassen. Das klappte mit VMware so leidlich...

In dem diesjährigen Summer Bundle 2013 gibt es wieder mal eine Menge Software zu einem günstigen Preis, insbesondere auch Parallels 8.0 - und da dachte ich mir, das probiere ich mal aus.

Außerdem habe ich wirklich keinen echten Vergleich zw. Vmware und Parallels gefunden, scheinbar hat niemand die beiden Softwaren wirklich probiert, sondern nur die einschlägigen Benchmarks zitiert und die Datenblätter verglichen. Einen echten Vergleich der Benutzung der beiden Virtualisierern habe ich zumindest vergeblich gesucht.

Ich spare mir aber hier das ganze noch mal zu zitieren. Wenn man den Tests überall glauben schenken darf, ist Parallels einen Ticken flotter als VMware - nur bei 3D-lastigen Anwendungen, wie Spielen ist Parallels wohl deutlich schneller. Das lasse ich jetzt mal außen vor und berichte von meinen Erfahrungen.

Hardware

Das ganze läuft auf einem iMac 2012, 3,4GHz CoreI7 und einem MacMini von 2010 2,5GHz. Beide haben genug RAM um auch ne VM zu befeuern.

Warum Visualisierung?

Da gibt es mehrere Gründe. Einerseits die Flexibilität. Mit eine VM ist man weniger an die Hardware gebunden, die kann ich auch mal auf ein anderes Storage packen oder mal eben schnell den Rechner darunter "wechseln" - relativ problemlos (wobei ich das mit OSX noch nicht probiert hab!).

Ein weiterer Grund ist die Sicherheit, die damit einher geht. Normalerweise würde man für einen Rechner, der öffentlich zugänglich ist (und sei es nur für einen VPN-Zugang ins office) eine eigene Maschine nutzen und diese am besten noch in einer DMZ hängen, die dann von 2 Firewalls geschützt ist... usw.

Das ist dann doch recht aufwendig und teuer. Mit der Virtualisierung kann man so was recht einfach nachbilden, ohne die ganze Hardware zu beschaffen. Die VM ist z.B. über die Firewall und Port-Forwarding im Internet erreichbar - aber da die VM in einem eigenen "virtuellen" Netzwerk hängt, ist es für Hacker erst mal schwieriger damit was anzufangen.

Warum hab ich mir Parallels überhaupt angesehen?

Offensichtlich hat mich an VMware etwas gestört bzw. lief nicht so, wie ich wollte.  Das lässt sich recht einfach zusammenfassen: die Fehler von VMware in Verbindung mit OSX als Guest OS haben gestört. In VMWare ist der OSX Server regelmäßig ca 5-7 Mal in der Woche eingefroren und war nicht mehr verwendbar. Für einen Server, selbst wenn er nur im Office steht, unbrauchbar. Insbesondere, wenn dieser Server, wie in meinem Fall, den VPN-Zugang ermöglicht. Wenn da die VM hängt, kommt man nicht ran! Und den VPN Zugang braucht man ja meist nur dann, wenn man gerade NICHT im Office ist und eben NICHT die blöde VM neu starten kann.

Das ganze ging so weit, dass ich noch einen zweiten "Notfall-VPN"-Zugang eingerichtet habe, damit man zur not wenigstens die VM neu booten kann um dann wieder ein paar Tage lang auch remote arbeiten zu können... bis zum nächsten Crash.

Parallels Desktop 8.0

Die Installation von Pralallels Desktop ist erst mal recht unspektakulär, jedoch nervt Parallels selbst da schon mit dem "Ich will nach Hause-Telefonieren"-Nag-Screen, der auch wirklich nicht tot zu kriegen ist.

 

Diese Registrierung bringt zwar auch ein paar Vorteile - support, Nutzung von Parallels mobile etc. und, wie oben zu sehen, Updates. Diese bekomme ich aber auch so über den Menüpunkt "Nach aktualisierungen suchen". Aber gerade im Zuge von Snowden und der NSA-Affaire bin ich doch etwas vorsichtig damit, meine Daten einfach so mal an Parallels zu senden.

Abgesehen davon, hatte ich schon mal so einen dämlichen Account, gebracht hat das damals zumindest nichts - wenn das heute anders/besser ist, sagt mir Bescheid.

Fies ist nur, dass es - dem geneigten Leser wird es aufgefallen sein - keinen "Abbrechen" Knopf gibt. Genau dieser Dialog erscheint während der Installation und es wird einem Suggeriert, man kann Parallels nicht installieren, wenn man sich nicht registriert.

Geht aber doch: das Fenster einfach schließen, dann geht die Installation "normal" weiter.

Paralles Mobile ist eine App, die man sich auf sein Smartphone installieren kann, die einem dann ähnlich VNC den Zugriff auf die VMs und den Mac ermöglicht. Eigentlich ne nette Idee, nur werden die Daten von meiner VM direkt vom Parallels-Server irgendwo in Russland gelesen - d.h. die VM sendet diese Daten postwendent über das Internet nach hause. Muss nicht sein... Vor allem wenn VNC doch auch "so" geht.

Man kann sich aber auch direkt mit der VM Verbinden, ohne eine Verbidnung über den Parallels-Server zu machen. Dazu muss man aber in den Settings einstellen, dass das erlaub sein soll:

Dieser Remote-Zugriff ist im Endeffekt das gleiche, was auch VMWare mit seinem VNC-Zugang (s.u.) anbietet, jedoch irgend ein proprietäres Protokoll. Und seltsamerweise gibt es keine Implementierung für den Desktop - das fände ich dann wenigstens noch konsequent.

Des weiteren nervt Parallels auch gleich mit Werbung für Acronis Backup und Kaspersky Internet Security für Windows in einer 30-Tage Testversion. Dazu muss man wissen, dass diese 3 Firmen zumindest eine gemeinsame Basis haben und in alle recht eng zusammenarbeiten.  Schlecht ist das nicht, aber diese Werbung, nervt schon extrem. Wichtig sind die "Nicht erneut anzeigen"-Checkboxen anzuhaken....

In den Einstellungen kann man dann auch das "Mitmachen bei unserem Kudenfeedback" ausschalten - das verhindert zumindest, dass Parallels zu viel nach hause telefoniert (wenn eingeschaltet, sendet Parallels alle 3 Monate die Hardwarekonfiguration und Informationen über die Installierte Software an Parallels - können sie von mir gerne im Fehlerfall bekommen, wenn nötig. Und selbst dann überlege ich es mir noch mal).

 

Wenn man das ausschaltet, ist eigentlich alles grün...

Überhaupt sind die Einstellungen von Parallels deutlich umfangreicher als die von VMware - was nicht zwingend ein Vorteil sein muss.

Die Übersicht über alle Verfügbaren VMs ist in Parallels etwas spartanisch, kaum Informationen über die VM selbst - allerdings wird angezeigt, wenn eine VM installiert wird (hier Ubuntu)

 

Neuinstallation eines Guest OS

Da ist Parallels wirklich vorbildlich - super einfach, wenn es sich um Ubuntu, Chrome OS oder Android handelt wird automatisch der Download angeboten (Windows 8 wurde das auch getan, solange es eine Testversion zum Download gab). D.h. man muss nicht umständlich irgendwelche ISOs runterladen oder so.

Natürlich kann man aber auch angeben, dass man von einem Datenträger installieren will, oder direkt von einem bestehenden Windows-System. Das läuft über die Installation einer besonderen Software auf dem Windows, der Rest geht dann wohl irgendwie automagisch (hab ich aber nicht probiert).

Eine Besonderheit ist auch noch, dass man ein OSX in der VM installieren kann, indem man die Wiederherstellungspartition des Host verwendet - Super! Das gibt nen Preis für's Mitdenken! Das macht's wirklich einfach, sich eine "Ich probier mal was"-VM zusammen zu basteln.

Unter "Vorhanden Virtuelle Maschine hinzufügen" könnte man theoretisch auch VMware-VMs hinzufügen. Leider klappt das nur bei Windows und Linux unproblematisch: bei OSX meckert Parallels, dass die VM ungültig wäre.

Bei der Neu-Installation von Windows kann man Parallels auch noch den Windows Product Key mitgeben, dann läuft die Installation völlig ohne eigenes Zutun - super!

In dem Convinience-Store gibt es übrigens nur so zeuch wie Anti-Virus-Software etc. Also nix besonderes und insbesondere keine kostenpflichtigen Erweiterungen für Parallels oder so.

VMware Fusion 5

Wenn man sich im Vergleich VMWare so ansieht, wirkt alles etwas... lieblos könnte man sagen. Aber sehr funktional. Es tut, was es soll.

Auch hier empfiehlt es sich im Sinne des Datenschutzes (oder auch einfach nur "so"), den Knopf für das automatische Versenden von Kundenfeedback zu deaktivieren:

 

Unter "Weitere Informationen" wird auch noch der Begriff "Verhaltensmuster" verwendet. Außerdem wird erklärt, dass jeder Rechner mit einer UUID (Eindeutigen ID) versehen wird, damit man ihn wieder erkennen kann. Und da auch Lizenzinformationen mit übertragen werden, ist die ganze Sache plötzlich gar nicht mehr so anonym, wie behauptet. Für die Produktverbesserung ist es sicherlich sinnvoll, diese Daten zu erheben. Wer möchte, kann es ja eingeschaltet lassen.

Vmware hat zudem noch ein kleines Helferlein in der Menübar des Mac, was einem zugriff auf ein evtl. vorhandenes Startmenü bietet. In den Einstellungen der VM (hier Win XP) kann man das Verhalten festlegen.

Ist ein wenig unlogisch, wenn dieser Menüpunkt "immer" angezeigt wird, wird er auch angezeigt, wenn gar kein Windows läuft. Das ist ein Setting, was eigentlich in die globalen Einstellungen gehört. Aber ok...

Übersicht über die VMs in Vmware ist wirklich übersichtlich und zeigt, was man braucht:

Installation eines Guest OS

Das läuft in VMware ziemlich straight-forward, also ohne viel Schnickschnack drumrum. Der Neue-VM-Wizard ist aufgeräumt und so weit ok. Leider ist ein Installationsmedium nötig, um die VM ans Laufen zu bekommen.

Ist alles in allem im Vergleich zu Parallels deutlich weniger "convinient" - tut aber was es soll...

VMware bietet noch eine nette Option an, eine VM direkt per VNC anzusteuern. Das ist ja mal eine echt tolle Idee...

 

... leider funktioniert die nicht wirklich - der Zugriff über VNC funktioniert zwar so leidlich, ist aber extrem langsam und vor allem für Deutsche nicht brauchbar - ich habe es z.B. nicht geschafft, ein @ irgendwie über das VNC einzugeben, ähnliche Probleme gab es mit Umlauten. Irgendwann hab ich in den Einstellungen der VM rumgebastelnt und ein Haufen XML produziert - dann gingen zumindest die Umlaute - das @ geht bis heute nicht, weshalb ich die Option nicht mehr verwende. Eine gemeinsame Zwischenablage gibt’s auch nicht. Also, alles in Allem unbrauchbar, wenn auch ne nette Idee.

Erfahrungen Parallels vs. Vmware

Also, was die Stabilität von OSX als Guest OS betrifft, ist Parallels ungeschlagen. Der Server läuft stabil seit einigen Wochen und mir kommt die Performance auch besser vor - gerade bei einem nicht so "wichtigem" Guest OS wie OSX selbst wurde das wohl vorher nie ausführlich getestet. Parallels verspricht da viel und hält es auch. Läuft wirklich sauber und problemlos (bis jetzt, Auf-Holz-Klopf).

Beide Virtualisierer bieten so lustige Funktionen an, wie den Choherence-Mode in dem die Fenster des Windows-Guest-OS als "normale" Mac-Fenster angezeigt werden. Das ist natürlich sinnig, wenn man MS Office oder so nutzen möchte. Diese Modi sind nur nicht zu empfehlen, wenn man den IE benutzen möchte um seine Seite zu testen: uns ist aufgefallen, dass sich der IE in diesen Modi bei beiden Virtualisieren in einigen Fällen anders verhält, das Layout sich unterscheidet etc.

Im Zweifel auf den Vollbild modus wechseln, den auch beide unterstützen!

Die Settings für die VM selbst sind bei beiden nahezu identisch und lassen eigentlich keine Wünsche offen.

Auch das Teilen von Festplatten oder sonstigen Resourcen bieten beide an und das funktioniert auch reibungslos.

Die Neu-Installation von neuen VMs ist bei Parallels deutlich besser gelöst - sich mal eben ein Android zum Testen installieren war nie so einfach.

Dafür ist die Übersicht aller VMs bei VMware deutlich besser.

Fazit

Alles in Allem finde ich nach meinen ausführlichen Versuchen mit OSX Server, Windows XP und Windows 7 für mein Szenario hier Parallels knapp besser als VMWare. Insbesondere die Stabilität macht hier natürlich ne Menge aus. Der Performance Gewinn wäre es sicher nicht, welcher einen Umstieg auf Parallels lohnt.

Parallels nervt allerdings immer mal wieder mit dämlicher Werbung für Kaspersky und sonstigem Zeuch, was manchmal auch nach dem Abschalten wieder aufgetaucht ist (oder ich hab den Knopf nicht richtig erwischt). Das ist ein echter Minuspunkt...

Beide sind sowieso große Kandidaten im "Nach Hause Telefonieren" - das muss man auch erst umständlich (teilweise mehrmals) ausschalten. Gerade im Zuge des NSA-Skandals sollte man sich das mal genauer ansehen, was die Firmen so für Daten von einem sammeln.

In Punkten von 0 bis 10 ergibt sich ein Fazit für VMware Fusion und Parallels Desktop:

Parallels Desktop 8.0: 9 Punkte Vmware Fusion 5.0: 8 Punkte 

 

Update Parallels 9.0:

Aus aktuellem Anlass: Kleiner Nachtrag zu Parallels 9.0. Es hat sich vordergründig nicht viel getan, mal abgesehen vom Support von Mavericks als Guest OS und (natürlich) ist die 9.0 wieder mal (laut Marketing) deutlich schneller als ihr Vorgänger. Die guten Seiten von Parallels 9.0 sind die selben, wie die von 8.0 - leider gibt’s jetzt auch mehr schlechte :-(

Insbesondere dieser Krempel mit der jetzt verpflichtenden online-registrierung und dem nervigen getue, wenn man seine Installation auf einen neuen Rechner verschiebt - wie es hier alle Nase lang passiert (hab nur einen Server, aber dessen Hardware ändert sich halt, je nach dem, was grad aktuell ist). Und jedes mall bitten zu müssen, dass die Aktivierungen resettet werden...

Auch dieser leidliche Dienst für die (meines Erachtens nach für ein Desktop-Produkt) unsinnige und später auch noch kostenpflichtige iOS-App, lässt sich in der 9.0 etwas schwere wieder los werden als noch zu 8.0er Zeiten...

Alles in Allem ist das 9.0er update sicherlich ein gutes, die Innereien wurden verbessert und sicher ist hier und da auch ein wenig Performance rausgekiztelt worden. Aber diese DRM-Gängelung geht mir auf den Senkel!

Schade, Parallels, das hätte man besser machen können.

Fazit: nur noch 7.5/10 Punkten!

erstellt Stephan Bösebeck (stephan)