Meine IT-Geschichte

veröffentlicht am : Fr, 19. 04. 2013 geändert am: Mi, 21. 06. 2017

Kategorie: Allgemeines

Schlagworte: about


Aufgrund eines Todesfalles in der Familie kommt man doch schnell mal zum nachdenken... wo komm ich her, wie wurde ich zu dem, der ich bin. Und zumindest die Geek-Werdung ist eine interessante Geschichte (denke ich).

Tja, wie fange ich da nur an... Da es hier um den Geek bzw. Nerd in mir geht, vermutlich beim ersten Computer.

Den bekam ich, da war ich gerade mal um die 9 Jahre alt. Es war ein C64 der ersten Bauart - nagelneu, gerade erst vorgestellt. Ich weiß noch genau, dass ich da gleich von Anfang an super fasziniert war von dem Ding. Und leider auch echt unwissend.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten recht kläglichen Versuche, mit dem C64 zu kommunizieren und ihn irgendwas machen zu lassen. Immerhin hatte ich ja schon "Raumschiff Enterprise" gesehen, kann ja nicht allzu schwer sein... Das dachte ich zumindest, aber als der Brotkasten auf mein, mühsam im Zwei-Finger-Kreise-und-such-System eingetipptes Hallo Computer (Gross-/Kleinschreibung bitte ignorieren, das war damals ja nur Gross geschrieben) nur mit einem lapidaren Syntax Error antwortete.... Da wusste ich, ich sollte doch mal das Handbuch lesen - eine von mir zutiefst gehasste Tätigkeit. Schon damals. (übrigens, der Versuch statt dem Hallo die englische Form Hello zu verwenden, brachte auch nicht den gewünschten Erfolg.)

Zum Glück gab es noch andere Geeks in der Umgebung und irgendwann hatte ich die ersten Games über meine Datasette (auch so ein tolles Wort - eigentlich war das nur ein Kassenttenlaufwerk. Für die Jüngeren unter euch: darauf hat man früher mal Musik gespeichert, der Vorgänger der CD sozusagen) geladen. Krass, was da plötzlich über den Bildschirm flimmerte... Super.... Fortan war ich viel mit Zocken beschäftigt! Erfreulicherweise (empfand ich damals anders, aber in der Retrospektive war es doch gut) waren die Ladezeiten lang genug, um auch noch Hausaufgaben machen zu können. ;-) Und die Ladezeiten waren selbst mit dem sog. "FastLoader" immer noch unterirdisch (so 100kb in 10 Minuten - langsamer als Edge am Telefon).

Aber das allerbeste an der Datasette war, dass es die Programme ja auf normale Kasetten gespeichert hat - Leerkassetten konnte man recht günstig in jedem Laden erstehen und darauf dann seine Progrämmchen speichern... oder eben die Programme von einem Kumpel.

Kaufen konnte man die Kasetten auch - da waren tools games oder sonst was drauf. Schlimm war es nur, wenn man so eine Kasette aus Versehen mal anhören wollte - da ist so manche Box zu bruch gegangen. Irgendwann Mitte-/Ende der 80er kamen dann Doppelkassettendecks auf. Die waren ursprünglich gedacht, um sich z.B. aus gekaufen Audio-Kassetten einzelne Lieder zusammenzukopieren. Aber man konnte damit auch Daten-Kassetten kopieren - man musste allerdings ein wenig rumbasteln.

Die Datasette liest die Daten ja analog von dem Magnetband der Kassette. Und da ist dann schon die Qualität wichtig. Und wenn man ein billiges Doppel-Kassettendeck hatte, musste man an der Position der Abnehmers der Datasette ein wenig rumschrauben, damit die so kopierten Games auch geladen werden konnten (das passierte auch, wenn man von nem Kumpel ne Kassette bekam).

Alles in allem waren die Ladezeiten aber echt übel.. man saß da wirklich mehrere Minuten (gefühlte Stunden) bis so ein Programm mal geladen war.

Irgendwann wurde mir das ewige Zocken aber zu blöd, ich wollte wissen, wie denn diese Grafiken auf den Bildschirm kommen.... Und hab mir kurzerhand mal BASIC beigebracht - aus dem Handbuch! Das war noch so ziemlich am Anfang, Keine Ahnung, wie ich das gemacht habe, ich weiß auch noch genau, dass es eine Menge Fehler in dem Handbuch gab, die ich natürlich in meinem Exemplar korrigiert hab.

Nach ein paar Wochen intensiven Lernens hatte ich endlich meinen ersten Sprite auf dem Bildschirm. Als größte Hürde stellte sich dabei das Binärsystem heraus, das mich als 10 oder 11 Jährigem dann doch vor eine intellektuelle Herausforderung stellte. Aber irgendwann ging es. Der Sprite war da. Und sollte eigentlich von links nach rechts über den Bildschirm wandern. Das Tat er auch, er brauchte dazu jedoch knapp 1 Minute.

Das war krass, wie können denn Games flüssige Grafik und Animationen zeigen und der Sprite bewegt sich hier nur extrem langsam... Selbst wenn ich die Schrittweite erhöht hatte dauerte es immer noch viel zu lang. Und irgendwann sah es einfach nur noch unrund aus.

Ein wenig Recherche bei meinen Geek-Kumpanen brachte damals ans Licht, dass es wohl noch "Assembler" als Sprache gibt, die man für so was lernen muss. Ok, also hab ich angefangen, C64 Assembler zu programmieren.... Aber das war gar nicht so leicht, in der Gegend, wo wir damals gewohnt haben, gab es auch nicht so viele Geeks, die mir helfen konnten (oder zu denen ich einen guten Draht hatte). Das änderte sich erst nach dem Umzug nach Bayern.

Die Datasette war fürchterlich lahm und unpraktisch. Zum Glück sah das auch mein Vater so und kaum ein Jahr späte bekam ich das passende Floppylaufwerk (den Kennern wird die 1541 ein Begriff sein) dazu - die Ladezeiten waren immer noch recht hoch, aber um einiges besser als mit dem blöden Kassetten-Ding namens Datasette. Und die größte Neuerung war ja, dass es jetzt ein Inhaltsverzeichnis gab, und man sich die Datei, die man laden wollte aussuchen konnte. Ja ja, das ging theoretisch auch mit der Datasette: Zählerstand notieren, und dann entsprechend hin- bzw herspulen. Nicht wirklich schnell, bequem oder einfach (vor allem, wenn die Zähler von Datasette zu Datasette abweichten und man nich "einfach so" eine Kassette von nem Kumpel nutzen konnte). Aber so eine Floppy hatte schon was... Wow.... Das waren Neuerungen... Immerhin hatte die 1541 ja den gleichen Prozessor und die gleiche Ram-Ausstattung wie der C64 selbst - fehlte eigentlich nur noch ein TV-out und man hätte die erste Spieleconsole gehabt... aber ok... meine Schwester hatte ja zum Glück noch so was wie ein NES (oder wie das damals hieß) bekommen - sie hatte aber viel weniger Games, als ich... tja...

Erst als ich mir ein sog. Parallelkabel an den C64 gebaut hab, wurden die Ladezeiten flott. Das ging dann so schnell, dass meine Noten in der Schule echt gelitten hatten. Selbst beim Kopieren von Floppy-Disks musste man zwischendurch einige Minuten warten... die Beste Gelegenheit um ein paar Aufgaben der Hausaufgabe zu erledigen. Mit dem Parallelkabel schrumpften diese paar Minuten aber auf wenige Sekunden - in der Zeit hatte ich kaum die richtige Seite im Buch aufgeschlagen, geschweige denn irgendwas gemacht. Und nach dem Kopieren war halt vor dem Zocken, ist ja klar.

Das Programmieren wurde immer interessanter, insbesondere 8-Bit-Assembler machte echt Spass. An der neuen Schule gab es dann auch ein paar genauso Verrückte wie mich, mit denen man sich dann nach der Schule zum Coden getroffen hatte.  Das ging ja auch so weit ganz gut, Zeitschriften wie "C64" und "Happy Computer" haben natürlich auch geholfen. Insbesondere die darin abgedruckten Programme, die man dann mühsam abgetippt hat. Später ja sogar irgendwelche Hexdumps mit Prüfsummen - wir hatten echt zu viel Zeit, gab ja nur 3 Programme im TV ;-)

Wir haben jeden Monat (und später alle 2 Wochen) gebannt im Schreibwarenladen gestannden, die akutelle Ausgabe der C64 oder Happy Computer in Händen gehalten und unser Taschengeld dafür zusammengekratzt... die meisten anderen waren da auf Kicker oder so scharf... naja... wir waren/sind eben Geeks.

Das war eine geile Zeit, man kannte jedes Bit beim Vornamen, hat rumexperimentiert mit allem Möglichen und nicht mal vor Lötkolben und Lötzinn halt gemacht. Da habe ich viel mehr über Computer und deren Funktionsweise gelernt, als im Studium - aber dazu kommen wir noch. Und mein C64 sah gegen Ende dieser Zeit so aus, als wäre aus Raumschiff Enterprise - Ein Knopf hier, ein Taster da, eine Anzeige dort... aber das war toll..

Klar, man hat auch gespielt und die aktuellen Games gezockt, teilweise noch am Kopierschutz rumgefingert und evtl. sein Demo davor gesetzt und das Machwerk dann ganz stolz seinen Kumpels gezeigt. Damals war das noch nicht strafbar.... Schon gar nicht, wenn man es daheim gemacht hat, man hatte ja kein Internet und so was, über das man das hätte verteilen können. Und die BBS-Systeme und sog. "Mailboxen" kamen so langsam erst in Mode... und mit dem 300 Baud Akkustikkoppler am C64 machte das Downloaden auch nicht wirklich viel Spass... das kam eigentlich erst am PC so richtig in Fahrt.

Klar - jeder, der damals einen C64 hatte, hatte Raubkopien von irgendwelchen Games oder Utilities. Anfangs war das ja noch legal (bzw. nicht strafbar), und man machte sich überhaupt keine Gedanken dazu. Dann wurde das Gesetz geändert und mit einem Mal war das verboten, womit wir unsere Freizeit verbracht haben. Die ganzen Games hätte man sich ja nie leisten können von seinem Taschengeld - und ehrlich gesagt, auch nicht leisten wollen - es gab unheimlich viel Schrott dabei. Einige haben sich dann eine sog. PLK zugelegt - Postlagerkarte, so was ähnliches wie ein Schließfach. Man war der Meinung, dass das Briefgeheimnis einen schützen würde.... Tat es aber nicht, einige meiner Kumpels damals wurden dann erwischt, als diese Raupkopierverstöße illegal wurden. Aber keiner hatte irgendeine Strafe bekommen, nur eine Ermahnung. Hat aber gereicht - alle in meinem engeren Bekanntenkreis haben aufgehört ne PLK zu benutzen ;-) Raubkopien waren natürlich immer noch auf dem Schulhof im Umlauf, aber es wurde weniger... wenn auch nicht viel weniger.

Mich hat damals so langsam wirklich das Coden interessiert... Ich hab angefangen Software für alles Mögliche zu schreiben: Vokabeltrainer (jedesmal wenn ich in Latein ne schlechte Note hatte, hab ich einen geschrieben, der alte war ja eh doof - also hatte ich im Laufe der Zeit echt viele Vokabeltrainer programmiert), Diskettenverwaltung (ich hatte ja auch echt viele), Spiele, Sound-Experimnte, Grafik Effekte, Demos, Demos, Demos und Demos. Demos coden war Fun - einfach nur nen Effekt testen, ne Laufschrift, Sound, Sprites.... Was auch immer. Die Dinger hatten überhaupt keinen Sinn, machten aber Spaß... toll war auch, sich den Code von anderen anzusehen, und daraus zu lernen. Das Highlight war ein Plasmaeffekt, welcher es geschafft hat, alle 4 Pixel die Farbe zu wechseln - ich hab das in Assember selbst ohne Logik oder Synchronisation nur alle 8 Pixel geschafft. Als ich mir den Code angesehen habe, und festgestellt hab, dass der Entwickler zunächst lauter "Finger-Weg"-Warnungen in den Code gepackt hat und erklärt hat, dass er illegal opcodes (also ungültige Assemberbefehle) verwendet, die "zufällig" zwei Dinge gleichzeitig machen.... rausgefunden hat er das mit Hilfe eines Oszillographen - da war mir klar - jetzt ist das Ende der Fahnenstange (für mich) erreicht.

Und dann kam der Amiga 500 - Gott, was war das ein tolles Ding. 16 Bit CPU und ein halbes Megabyte RAM (ja, liebe Kids - MEGAByte...). Dazu noch einen eigenen Prozessor (Copper) für die Grafik und einen nur fürs Kopieren von Daten im Speicher (Big/Fat Angus).Das war ein Sprung nach vorn. Mein Amiga 500 war gefühlt lange Zeit wesentlich flotter als die PCs, die mein Vater genutzt hat. So ein 268er hatte ja überhaupt keine Chance gegen den Amiga, erst ab dem 386er und auch nur mit CoProzessor wurde die Sache interessant....

Aber ich schweife ab - auf Grund meiner Erfahrungen mit dem C64 hab ich am Amiga natürlich auch sofort angefangen, Assembler zu programmieren. Das war schon was anderes, als am C64. 16Bit Adressierungen, 68000er CISC-Prozessor mit (ich glaube) alleine mehreren hundert Möglichkeiten der Speicheradressierung (relativ, Absolut, absolut, mit offset, Absolut mit offset in Register, Absolut mit offset in Speicheradresse, usw).

Da mit Assembler rumzubasteln hat eine Menge Spass gemacht, man konnte da viel besseren Sound ausgeben (16 Bit- wow - auch wenn ich nie der echte Musiker war - ich höre heute noch von Zeit zu Zeit ein paar gute alte Mods), viel schönere Grafiken anzeigen (da waren Porn-Dia-Shows echt zu erkennen - auf dem C64 waren das nur undefninierbare Pixelwolken). Der Amiga war wirklich ein echt tolles Gerät, hat wirklich spass gemacht, damit zu arbeiten. Auch hier hab ich mich mit dem mitgelieferten Basic beschäftigt - da war viel mehr möglich, als mit dem C64.

Obwohl der Amiga der bessere und coolere Computer war - mein C64 war immer noch auf meinem Schreibtisch - eigentlich immer - bis ich sowohl den Amiga als auch den C64 eingemottet hab. Wir haben damals in der Clique auch einiges mit beiden Computern gemacht. So wollte ich ein neues Kickstart ROM für den Amiga brennen, das hatte ich natürlich auf Diskette am Amiga... den Eprom-Brenner hatte ich leider nur am C64 (damals kam der auch öfters zum Einsatz). Die Daten mussten also irgendwie übertragen werden. Was doch recht kompliziert war, denn der Amiga hatte ein 3,5" laufwert, beim C64 waren es 5"... Es gab zwar auch 5" Laufwerke für den Amiga (ich hatte sogar irgendwann eines), aber das speicherte die Daten in einer viel höheren Dichte, so dass der C64 die Daten nicht lesen konnte (und umgekehrt)

in einer der üblichen Nacht-Programmier-Aktionen wurde dann ein Kabel gelötet, welches zwischen Midi-Port des Amiga und den User-Port des C64 eine Verbindung herstellte, und wir (ein Kumpel hat mir geholfen) haben in Assembler ein einfaches Datenübertragungsprotokoll entwickelt. Damit konnten wir die Daten dann übertragen... und dem Amiga ein neues Kickstart ROM verpassen... (auch wenn das ROM leider nicht komplett in den C64-Speicher gepasst hat, wir mussten es also in Häppchen übertragen und brennen - ich glaub 4x oder so).

Mensch, was hätte ich drum gegeben, wenn es damals schon Google gegeben hätte... dann hätten wir vielleicht wirklich was geiles erfinden können. So, bin ich nur zufällig auf die gleiche Lösung gekommen, wie andere. So ist mir BubbleSort eingefallen für einen meiner Vokabeltrainer... und natürlich das Netzwerkprotokoll... auch was Verschlüsselung, 3D Grafik oder Datenhaltung betrifft, hab ich mir Dinge einfallen lassen, die es schon gab.... Naja...

Der Computer meines Vaters war zwar auch spannend (und da ich mich ja angeblich "mit so Zeuch" auskenne, war ich auch dafür verantwortlich, dass das Ding funktioniert), aber der Amiga war damals echt viel leistungsfähiger als die doofen 8086 und später sogar als die 286er ... Und die ersten Bildschirme/Garfikkarten (EGA z.B.) waren ja noch Monochrom - da war der C64 sogar besser... aber es war halt kein "Profiwerkzeug".

Am geilsten fand ich schon damals die "TURBO" taste auf den PCs - damit konnte man die Taktfrequenz ändern. Sinn machte das meistens nicht, da man ja eh Geschwindigkeit wollte. Und später hat es auch nix gebracht, da selbst die "langsame" Einstellung, immer noch flott genug war, dass es auch nicht für Debugging oder so gereicht hätte. Ich hatte da mal ein Spiel, irgend ein Jump'n'Run für den 286er geschrieben. Das lief da ganz nett... auf dem späteren 486er war es unspielbar, die Monster sind innerhalb von Bruchteilen von Sekunden über die Spielfigur her gefallen. Also: Turbo Ausschalten - und siehe da - man hat immerhin 0.25 Sek überlebt - Diese Tasten waren völlig für den A...

Der Große Vorteil, den die PCs dann hatten, waren die Festplatten... ich weiß noch, als ich mit meinen Vater die erste gekauft habe - der Verkäufer sagte wörtlich: "Das sind 20 MEGA Byte - da passen ganze Bibliotheken drauf - das reicht sicherlich für die nächsten 10 Jahre". Er hatte ja sowas von unrecht - das reichte nicht mal 1 Jahr... aber ok - wer wusste das damals schon besser...?

Irgendwann habe ich dann sogar eine 512kb Speichererweiterung zusammen mit einem kleine 8086er in meinen Amiga gebaut - dann war das Ding sogar ein PC (mit Dual-Boot)... cool... dann musste ich nicht immer meinen Vater verscheuchen, wenn ich was machen wollte.

Aber fürs Programmieren fand ich den PC erst mal recht unspannend - Soundausgabe war - bis auf den Pieps-Sound - nicht so einfach möglich. Auch Grafik Ausgabe gestaltete sich ungleich komplizierter als beim Amiga - zumindest von Assembler aus. Und die Addressierungsarten der x86 wurden dann mit dem 386er und dem "Protected Mode" ja ungleich komplizierter... oder überhaupt Speicher oberhalb von 640kb ansprechen, war damals gar nicht so einfach... (zumindest fand ich das damals total unnötig... und hab mich nicht weiter damit beschäftigt, deswegen kam es mir so kompliziert vor)

Lange zeit hat man sich dann am PC rumgetrieben... viele (gute) Spiele gab es anfangs ja nicht, aber später hat der PC echt aufgeholt. Vermutlich auch deswegen, weil Comodore dann (leider seufz) Pleite ging.

Selbst damals hat mich Windows schon genervt. Das war ja selbst in der Version 3.11 nicht zu gebrauchen und vorher eigentlich auch nicht. DOS war da wesentlich besser und sogar übersichtlicher und das gute alte MS Word 6.0  (im Textmodus!) war wirklich super! Im Vergleich zu den Dingen, die danach kamen...

Denn ob man es glaub oder nicht, es gab auch eine Zeit vor Windows. Da gab es so Oberflächen wir "GeoWorks" und Konsorten. Das war damals deutlich besser als Windows - wurde aber leider nur gesondert verkauft. Wir haben damit eine ganze Weile gearbeitet und ich weine dem ganzen immer noch eine kleine Träne nach seufz Microsoft hat gewonnen....

Aber ich hatte das Glück durch meinen Nebenjob während des Studiums günstig an immer aktuelle Hardware zu kommen. Das war wirklich cool und hat eine Menge Spass gemacht. Und wie es bei den Informatikern dann nun mal ist, wird man schnell "selbständig" - man richtet Computer gegen Geld ein. Und so konnte ich auch mit Hard- und Software rumspielen, die mir sonst viel zu kostspielig waren.

Mit Linux bin ich dann in Berührung gekommen, weil ich ein PC Unix gesucht habe - und das am besten passend für den schmalen Studentengeldbeutel. Die Installation war - gelinde gesagt - abenteuerlich - 32 Diskettenimages an der Uni runterladen und mit nach Hause tragen (Vergleich: DOS zwei Disketten, Windows derer 5 glaub ich). Und es war eigentlich immer so, dass eine der letzten Disketten (so um Disk 30 rum) kaputt war und noch mal bespielt werden musste....

Ich kannte Unix ja von den Sun Workstations, und so viel mir der Einstieg nicht soooo schwer. Auch wenn ich mit Netzwerk noch nicht viel gemacht habe... das war ca. 1993 -> Linux Version 0.99 oder so.

Später habe ich in unserem Wohnheim den dämlichen Win95-Server durch linux ersetzt - Windows ist einfach alle Nase lang abgeschmiert und war so einfach unbrauchbar. Ich hatte zum Glück schon etwas Erfahrung mit Linux gesammelt und konnte das da ausweiten.

Da ich aber die ganze Zeit programmiert hatte, wollte ich da auch nicht aufhören. Ich hab mir eine Studentenversion von Visual Studio besorgt ( ich glaub das hieß damals noch anders ,Visual C++ oder so) und versucht da durch zu steigen. C/C++ war mir ja schon bekannt, aber ich hab mich echt erschreckt, als ich ein wenig hinter die MFC (Microsoft Foundation Classes) geblickt hab... das war wirklich gruselig, dieser Mix aus c und c++ - und leider wenig fehlertolerant. Kleinste Fehler führten zu totalen Systemcrashes. Ein paar Experimente mit "verlorenen" Zeigern führten dazu, dass Quellcode als Dateiname auf der Platte landete - unlöschbar unter DOS/Windows... keine Chance!

Das war der Moment, als ich entschlossen habe, mich mehr auf Linux und OS/2 zu konzentrieren. Leider hatte IBM zwar das bessere Betriebssystem, aber Microsoft einen riesigen Vorsprung und vor allem das bessere Marketing. OS/2 starb recht schnell wieder... noch mal seufz

Mich hat es damals total genervt, dass man keine Software für alle Systeme machen konnte, zum Glück hat Sun dann Java frei gegeben - das war klasse, wenn auch anfangs noch etwas langsam. Hab mich seit dem mit Java beschäftigt und auch wenn der ursprüngliche Gedanke von "run everyhwere" nicht mehr wirklich im Vordergrund steht, hat Java und die technologie dahinter sicher noch seine Daseinsberechtigung...

Obwohl ich dann mehr und mehr Java programmiert hab, hab ich eigentlich zum Arbeiten nur Linux laufen lassen. Meine lieblingsdistribution war zu Letzt "Gentoo" - einfacher als LSF aber dennoch DAS Betriebssystem für Geeks...

Dank meiner Selbständigkeit konnte ich das auch alles bei Kunden implementieren, dabei viel lernen und echt viel Spass damit gehabt...

Natürlich hab ich auch immer wieder "über den Tellerrand" geblickt und  mir ein wenig C# angeguckt. Und ich muss sagen: Microsoft, good job! Sie haben zwar Java als Basis genommen und kopiert was geht, aber eben die Fehler, die Sun in java gemacht hat ausgemerzt. Nervig ist halt, dass sie um jeden Preis "anders" sein wollten. Die Welt schreibt Methoden klein - Mircosoft schreibt sie groß! Das ist zwar einfach nur dämlich und zeigt wieder von der Attitüde von Microsoft, selbst standards definieren zu wollen, auch wenn es schon welche gibt - und das oft um jeden Preis - aber dennoch: C# und .NET waren selbst in V1.0 wirklich nicht übel. Und wenn Microsoft die Laufzeitumgebung etwas offener gestaltet hätte, hätte es Java den Rang ablaufen können. Aber so... Der über-Lacher war ja, das Microsoft behauptet hat, .NET ist plattformunabhängig - es läuft auf Windows 2000, Windows 2000 SP3, Windows XP... lol

Aber das ist ein gaaanz anderes Kapitel ;-)

Linux war ne tolle bastelei, die Desktopumgebungen (selbst vor KDE und Gnome) hatten immer tolle neue Features (wie z.B. der enlightenment - der war seiner Zeit weit voraus... und jetzt ist er ein wenig hinterher, aber immerhin verfügbar) - aber es war immer ein gebastel! Man macht ein update, dann geht der GraKa-Treiber nicht mehr... super... man macht ein Update, die Settings gehen verloren oder der KDE verhält sich anders oder der Gnome spinnt oder oder oder

Wenn man Linux auf dem Desktop verwenden will, dann sollte man entweder sehr viel Spass am Basteln haben, oder aber einfach den Stand so lassen, wie er ist und am besten nie wieder dran ändern - auch wenn das Basteln einen Großteil des Spaßes an Linux ist / war.

Ich hab in Ermangelung von anderen OS mein Windows mit Cygwin getuned, dann war wenigstens die Shell zu gebrauchen. Natürlich, wenn ich länger gearbeitet habe, wurde immer die Linux-Partition gestartet... aber ich muss auch sagen, Windows XP war so schlecht gar nicht. Und wer Zocken wollte, der brauchte halt Windows. Alle spiele kamen für den PC und evtl. noch ne Playstation / XBox raus. Und am PC halt nur für Windows.

Ich brauchte also meine Windows-Partition genauso, wie ich mein Linux gebraucht habe. Dieses ewige hin und her geboote hat mich echt genervt, auch der Zugriff auf die Linux-Partition von Windows aus ging nur so einigermaßen und ich hab mir mehr als ein Mal damit meine Partitionen zerschossen. Aber ok....

Ich hatte in dieser Zeit auch schon Kontakt mit Mac OS - Damals noch die Version 9, glaub ich - das war die Hölle, das hatte was von DOS - nur grafisch. Ok, es war leicht zu bedienen, es stürzte nichts ab - was vermutlich an dem nicht vorhandenem Speichermanagment lag. Es kann ja wohl nicht angehen, dass ein OS Ende der Neuziger noch verlangt, dass man vor dem starten einer Anwendung festlegt, wie viel Speicher die wohl braucht. Und Multitasking war ein echtes Fremdwort... ich durfte mal was runterladen auf dem Mac, also dachte ich mir, schau ich mir in der Zwischenzeit den rest des OS an... bis ich gemerkt hab, dass alle Apps per Default im Hintergrund pausieren - auch der Download! ARG... da war ja Windows bessser...

Zum Glück hat Jobs dann Apple wieder "übernommen" und die Sache in die Hand genommen.... aber ich war immer noch von Apple vergrämt...

"Die Dinger sind Designer-Stuff, viel zu teuer und wenig nutzen" - "kauft euch den Schrott bloss nicht" - "Wie kann man nur so blöd sein, sich einen Apple Computer zu kaufen" usw

Das waren Sätze, die ich so, oder so ähnlich, zu Apple-Usern gesagt habe - und dummerweise auch so gemeint hab. Klar kam dann irgendwann "OSX ist aber echt gut" und so weiter - dennoch wollte es mir nicht in den Kopf gehen, dass ein Apple so viel teurer sein muss, als ein PC von der Stange (wobei ich es eigentlich hätte besser wissen müssen: ich hab Geld damit verdient, PCs zusammenzustellen, wo die Komponenten aufeinander abgestimmt sind - und Trotz wsentlich langsamerer Taktfrequenz konnten die immer mit den GHz (bzw. damals noch Hz)-Boliden von Mediamarkt & Co mithalten - leider waren die aber dann auch doppelt so teuer).

Zum Glück kam dann Vista. Ich hab's kurz Installiert, mich geärgert und wieder XP drauf gemacht. Das war eine Frechheit, nicht zu gebrauchen. XP lief bei mir super stabil ohne Probleme, aber Vista... Haben die das ding nicht getestet?! Aber im Nachhinein - Danke Microsoft!

Vista und der Ärger darüber war der Grund, dass ich meinen ersten Mac bestellt hab - ein iMac... ich hab mir sogar einen Tag urlaub genommen, um den iMac einzurichten und .... ich hab nur knapp 15 Minuten gebraucht und alles ging... Keine Treiberinstallation, kein runterlöschen dämlicher Default-Programme und Werbung, kein Virenscanner nötig... und und und. Das ding funktionierte einfach.

Das war schon eine Offenbarung. So wollte ich eigentlich immer, das Computer funktionieren - und auf dem Mac gibt es eine Kommandozeile, die wirklich brauchbar ist: Die Bash!!!!!  Super... ich war daheim. Ein Unix mit schöner Oberfläche, einfacher Bedienung aber allen Vorteilen von Linux / Unix...

Wenn ich heute diese Trolls sehe, die sich so über die Macs / Apple aufregen, fühle ich mich sehr an meine Anfangszeiten erinnert. Klar, Macs sind teuer, aber das spart man sich 100% und mehr ein. Das ist einfach nicht zu verachten. Ich bin jetzt seit 5 Jahren Apple-User und hatte in der ganzen Zeit vermutlich 3 oder 4 echte Systemcrashes - und da lag es an defektem RAM (was ich selbst eingebaut hab - als alter PC-Schrauber muss man das ja quasi ;-)). Das lässt sich einfach nicht widerlegen! Die Dinger funktionieren... Und die Verarbeitungsqualität sucht Ihresgleichen! Ich hab mir mal die Mühe gemacht, vor 2 oder 3 Jahren, die Preise zu vergleichen zw. Sony, Apple und IBM / Lenovo. Wenn man da ähnliche Ausstattung nimmt, sind Lenovo und Sony meist gleich teuer oder sogar teurer - nur sind diese Dinger meist Plastikbomber, wohingegen die MacBooks aus Alu sind und wesentlich stabiler. (steinigt mich, wenn ihr wollt - aber so war es)

Und Software: Es gibt alles, ich dachte zuerst ich installier mir Bootcamp und Windows - aber ehrlich gesagt, ich wüsste nicht, wofür! Ich brauche keine Windows only software. Klar, wenn jemand solche Software benötigt, kann man noch mal über einen Switch nachdenken. Aber es gibt sicherlich eine Alternative...

Ich hab den Switch nicht bereut, und jeder, der fachlich Ahnung hat und mit so dämlichen Aussagen kommt wie "die sind viel zu teuer" oder so - der ist entweder nicht vom Fach oder will einfach nicht! Das ist ja auch ok, wenn einem das OS nicht gefällt, oder man gerne öfters mal einen BlueScreen sieht. Aber ich bin vom Fach, hab mehr als 20 Jahre Erfahrung und kann euch nur sagen: Glaubt diesen Trolls nicht!

Aus irgend einem Grund sehen diese Jungs die Wahl des Betriebssystems als Religion an und nehmen es als persönliche Beleidigung, wenn man was anderes sagt.

Es lebe die Vielfalt - "Wähle das Werkzeug, welches dein Problem am besten löst - passe nicht das Problem an dein Werkzeug an". Und wenn ihr nun mal Windows braucht, dann ist das ok so! Für das was ich tue (Java-Coden, Server administirieren, Datenbanken checken und remote Zugriff auf verschiedene Netze) ist ein Mac die beste Lösung und ich muss keine Kompromisse eingehen! Bei jemand anderem ist das sicherlich anders.

 

(Noch mal: jeder soll das OS nutzen, dass er will - ist mir egal, solange man deswegen nicht gleich gesteinigt wird).

Wie ging es weiter... ich hab auch in der Arbeit versucht, Macs zu nutzen, notfalls meine eigenen. Das hat auch weitgehend funktioniert, weil ich damit aus dem "Support" der eigenen IT raus war... mir recht- pfuschten die mir nicht dazwischen.

Und natürlich find ich iOS recht spannend. Ich hab mich sogar mit Objective-C beschäftigt und zumindest für mich ein paar kleine Anwendungen für Iphone & Co oder den Mac gebaut. Das geht echt gut - ist wirklich einfacher, als zum Beispiel reines C++.. und die GUI-Designer von XCode sind wirklich ok. Damit kann man schon was hin bekommen...

Ja, und da sind wir nun... mal sehen, was sich in nächster Zeit hier im Blog noch alles tut...

so stay tuned...

erstellt Stephan Bösebeck (stephan)